SMART - Konnotationen
Medienwerbung als Gegenstand von Leserbriefen der anderen Art - weshalb nicht? Konsumentenwerbung - und weshalb nicht auch politische Propaganda?
Freitag, 28. Dezember 2012
Montag, 2. Juli 2012
APOKALYPSE NOW im Wohnzimmer
TV-Programmwerbung und die Schule des Verdrängens
Die Erde stürzt als wabernder Feuerball durch den Raum. Am Bildschirm in unserem Wohnzimmer. Gott sei Dank!
Im Heimkino-Programm läuft Mittwochs APOKALYPSE NOW . Nicht Francis Ford Coppolas berühmtes Vietnamkriegs-Drama aus einer Zeit, als das Wort Heimkino noch nicht verstaubt war und im echten Kino gute Kriegsfilme liefen. Sondern - na was denn sonst? Die Reality-Vision einer kosmischen Apokapypse?
Wird unser blauer Planet zum Irrstern, zum Amok laufenden Hells-Angel?
Wir wissen ja schon (nicht nur aus dem letzten Buch der Bibel), dass uns etwas Verrücktes heimsuchen kann. Die endgültige Heimsuchung kann uns treffen, wir wissen und ahnen es. Unvorhersehbar oder weil wir uns nicht dagegen vorsahen. Jederzeit und überall. Natürlich glauben wir nicht, dass sie gerade uns trifft.
MEHR WISSEN. Das Magazin. Umstritten, ultimativ. JETZT! Die Animation. Auf Wunsch mit vierfacher Full-HD-Auflösung, LED-Hinterleuchtung oder 3D-Technik in der neuen Dimension von Plastizität und Schärfe. Scharf wie Sharp. N-tv bringt’s! Let’s go Sky!
Ein Spiel zum Thema: In der Audio-Video-Welt haben wir unumschränkte Programm-Freiheit. Wir wollen mehr wissen. QUIZ HAT QUOTE! Das Quiz stellt uns ein Thema zur Wahl. Beispiel (wir machen uns gefasst):
Welches Szenario der Apokalypse ist das nächste? Welches das schnellste? Welches das totsicherste?
Mit MULTIPLE CHOICE macht die kollektive Kniffelei Spass. Toll, wir machen mit. Wir testen uns, schärfen unser Profil!
Antwort 1: Die nächste astronomische Bombe ist unterwegs.
Antwort 2: Die Sonne hat einen Begleitstern, Lichtjahre entfernt. Der hebelt die Erde mit seiner Schwerkraft aus.
Antwort 3: Wir begehen den ökologischen Selbstmord.
Antwort 4: Wir vernichten uns militärisch.
GAME. Wir schalten das Denken ein. Wir lernen, indem wir denken:
Der vagierende Trumm trifft den blauen Planeten am tödlichsten. Wir ersticken im Staub und erfrieren. Die Schwerkraft der Parallelsonne wirft uns aus der Bahn, knackt die Kruste. Es wird heiss und geht schnell. Die unumkehrbare Zerstörung des heimischen Biotops infolge Raubbau und chemischer Vergiftung dauert länger, hat aber schon begonnen. Den finalen Atomkrieg überleben nur die Dümmsten im Bunker.
Die Supertreffer blinken. Der Joker winkt. Das Publikum applaudiert. Wir leben nicht hinter dem Mond, wo die Kälber schwarz sind. Wir lernen, denn Wissen macht Spass und bringt Quoten. Wir profilieren uns. Klug ist, wer Fragen zu stellen weiss.
Doch wie lautet schon die Frage?
Wozu nur mehr wissen, wenn wir unser Wissen verkehrt umsetzen. Wenn die Erde schon brennt, weil wir mehr als genug wissen, jedoch läppisch wenig tun oder unterlassen, was das voraussehbare Schicksal noch verhindert. Neuerdings wieder in Rio. Trotz dem allerletzten Bericht des Club of Rome. Oder privat, daheim. Das mit dem Virtuality-Empfänger ausgestattete Wohnzimmer ist ein idealer Schutzraum gegen die Konsequenzen. Denn niemand verpflichtet uns, sie auch zu ziehen. Wir sehen alles. Plastisch, hochauflöslich. Spannend! Aber es tut nicht weh.
FIREBALL, der Film! Der Reality-Held aus der Retorte des Senders schlägt die Konkurrenz aus dem Feld. Wenn wir einschalten, dann stehen wir auf der rechten Seite. Darauf kommt es an. Das pralle Programm wird es schon richten. Der Bildschirm ist unser Rettungsschirm gegen einen verlorenen Abend. Wenn uns die Sendung im Glauben bestärkt, unsere Ängste hätten einen Grund. Oder wir hätten Grund genug uns zu beklagen, dass es uns schlecht geht und die Dinge auch ohne uns schief laufen. Dann ja, dann hat das Programm unsere durch knallige Werbung gesteigerte Erwartung erfüllt. Es hat uns in unseren Zweifeln bestätigt, unsere krisenerschütterte Seele für den täglichen Stress durch Spannung belohnt und unsere Neugier gestillt.
An welchen Psychosen leidet die Gesellschaft, wenn bald auch seriöse Medienunternehmen auf paranoid verzerrende Projektionen zurückgreifen müssen, um sich auf dem übersättigten Markt den Fokus zu verschaffen? Film wie Buch. Die Nachfrage schwindet. Auch das Buch scheint sich den Absatz bald nur noch sichern zu können, wenn seine Aufmachung schrill, wenn seine Verpackung so sexy ist wie sein Inhalt.
Zum Glück gibt es das Programm. Könnten wir ohne in unseren Wohnzimmern noch leben? Und zum Glück gibt es die Werbung. Auf welcher Schiene bliebe das Programm ohne Werbung? Gott schütze uns vor solcher Heimsuchung.
Montag, 9. April 2012
SKODA. Try me? TELL ME!
TELL. Der Denkmal-Held oxidiert. Hat seit der Gründerzeit Grünspan angesetzt. Ist ein Grüner geworden. Patina wäre angemessener, vornehmer. Grün war doch bloss Tarnfarbe!
Vielleicht hat der Prinz das Dornröschen geküsst oder die Prinzessin den Frosch.
Jedenfalls ist Tell von seinem Sockel gestiegen. Wollte er doch schon seit hundert Jahren! Ist plötzlich wach. Im Hirtenhemd, die Kaputze über sein stierlockiges Haupt gezockt, hat er sich - noch etwas taumelig, aber gar nicht alt - in den ergodynamisch gestylten Fahrersitz des SKODA gefläzt.
Hockt hinterm Steuer, beisst bärtig grinsend in den Greenapple und schaut geradeaus. Seine treffsichere Rechte hat er lässig auf den Knüppel gelegt, testet gerade im Leerlauf den Motor und schaltet den Gang ruckzuck auf DRIVE.
Die bronzene Armbrust hat er einfach an den Sockel gelehnt. Der Skoda stand schliesslich da, adrett geparkt, und blinkte ihm zu: LOVE YOU! TRY ME! TELL ME! Er erinnert sich, so stöhnten in Luzern die Metzen seinen Namen. BELLA ITALIA! Nichts wie los!
WALTER. Hat er den heimkehrenden Gems- und Landvogtjäger nicht stürmisch begrüsst? Hatte der seine starke Linke nicht zärtlichstolz auf die Schulter des Sohnes gelegt, welcher bewundernd zu ihm aufblickte? Weit über hundert Jahre lang! Und jetzt?
Walterli hockt , jäh vaterlos geworden, finster sinnend auf dem Sockelrand. Barfuss. Ein kleiner Denker? Er stützt das Kinn nicht mit gesenktem Blick pathetisch auf die Hand, schaut vielmehr nach vorn gebeugt in die Ferne. Dort, zwischen Jagdmatt und Amsteg am Gotthard, wird der väterlich besetzte Skoda bald wie ein Blitz auf der Urner N2 verschwinden - ohne ihn!
Der Sohn sinniert, ob er nicht vom Sockel springen, die Armbrust packen und seinem Vatervogt einen Pfeil in den hintern Reifen fetzen soll. Seine urschweizerischen Gene treiben eine terroristische Wallung in ihm hoch. Wollten sie doch schon hundert Jahre lang.
Die Hand in seinem Nacken wog schwer. Wie löst der Sohn je seinen Vaterkonflikt, wenn er den Grimm über seine von einem väterlichen Jauchzer begleitete Verstossung in sich hineinstaut? Der Sohn bleibt nicht hocken. Ist nicht zum Melancholiker geboren. Hoffentlich!
Der „Liebling der Nation“? Der Slogan verfängt nicht. Die WERBUNG hat nicht treffsicher ins Schwarze getroffen. Der Sohn hat keinen Gratis-Bonus wie der Held mit dem Schweizer Qualitätssymbol „MADE IN SWITZERLAND“. Er kriegt den Skoda auch nicht locker für CHF 219.- pro Monat. Weil er ihn nicht will.
Das Hydra-Pfeilgift des Urhelden aller Mythologie ist ja vielleicht auch in sein Hirtenblut eingedrungen. Irgendwann. Aber es plagt ihn nicht. Soll doch seine Moira den väterlichen Helden auf der Passhöhe samt seinen 105 PS unter dem Hintern entrücken. Dann ist er ihn ohne Reifenschuss los. Wollte er das nicht schon seit hundert Jahren?
Angedacht nach dem liberalen Grundsatz:
„Ich will nicht! Nicht mal geleast.“
Montag, 19. März 2012
Tod's Lost Paradise: Dieu créa la femme
DIEU CRÉA LA FEMME
Den arkadischen Reiz der langen Weile wieder entdecken!
Die Anmut selbstvergessener Hingabe an den Körper. Die Verkörperung des Wohlgefühls an sich. Auf napalonlederner Liege.
Das Sich-Hinstrecken und Warten-Können auf nichts.
Ist unter der politischen Zumutung der Entschlackungskur aufs Mark eine bestechendere Form der Askese denkbar als: die Sühne für den Sündenfall im Paradies selbst!
Was für ein sinniges Arrangement auf den Terrassenstufen des Hotels EDEN! *****Wellness. Hängender Garten, neobarock. Meersicht.
Wedgwood-Porzellan mit Pflanzenornamenten. Sündhaft teure Fliesen und Amphoren.
Liegt nicht ein Buch auf dem Deckel der mächtigen Gartenvase? Und verspielt auf dem Buchdeckel die Sonnenbrille?
Zwischen den Liegen der zwei Sirenen: die verschlossene Büchse der Pandora.
Was für betörende Parfums wabern wohl in ihren handgefertigten Taschen?
DIEU s’offrit le plaisir de créer la femme. Und TOD'S macht sich auf den Sprung die Creation zu vollenden.
Wer sagte, man könne die Frauen nicht lieben ohne die Peitsche, war doch ein heimlicher Masochist.
Freitag, 9. Dezember 2011
Die Bank und die junge Schöne im Kokon
Bankwerbung mit Fokus auf die Occupy-Bewegung?
Diskrete Lebensberatung
„Neue Lebensabschnitte beginnen: Wir sind an Ihrer Seite“, lautet der Slogan der Zürcher Bank mit dem blauen Pfeilsignet. „Die nahe Bank“ reicht dem Kunden ihre Hand.
Sie empfiehlt ihren Beraterservice mit Grund. Der Binnenverkehr rauscht an der Filiale vorbei durch die City. Der Blick durch die stilvollen Parterrefenster der fest verankerten Institution bestätigt: Alles ist im Fluss. Doch die Scheiben dämmen den Lärm. In der Stille des Bank-Foyers fühlt sich der Kunde aufgehoben. „Nichts im Leben ist so konstant wie die Veränderung. Schön jemanden zu haben, auf den man immer zählen kann“, versichert die klein gedruckte Fusszeile der Kampagne. Der sinnstiftende Aphorismus flösst Vertrauen ein.
Die Beraterin im Bild hat das schmiegsame Polster der Sitzbank an der Fensterleibung hochgezogen. Entspannt legt sie den rechten Arm auf die so geschaffene Lehne. Während sie in ihrer Latte Macchiato rührt, wirft sie einen aufmunternd-mokanten Blick auf die Teenagerin. Diese nimmt gerade mit einer unglaublich komplizierten Hockverrenkung auf der Fensterbank gegenüber Platz.
Wie geht das zu? Den rechten Fuss stellt sie auf die Sitzkante hoch und langt zugleich mit dem gestreckten Arm am Knie vorbei, um die Kaffeetasse auf dem sprerrigen Tisch heranzuziehen. Dabei rutschen Ärmel und Taille ihres oliven Merino-Jäckchens hoch, ebenso die Stösse ihrer pinkfarbenen Hose. Überlang aufgeschossen scheint sie ihren Kleidern fast um ein Jahr entwachsen.
Das Outfit der jungen Dame ist weder pop noch brav. Sie trägt eher Homewear als Streetwear, etwas schobel, ziemlich abgetragen. Ihre verbleichten Velour-Pants sind kein bisschen trendy. Sie wirkt etwas gestresst und verklemmt. Vielleicht demonstriert sie die heimliche Obstination, sich nicht zu früh als erwachsen profilieren zu wollen. Ihre gar nicht hipe Schultertasche mit dem ganzen Schulmuff dürfte sie am Vorabend unters Bett geschmissen haben. Heute liegt sie verloren auf der Fensterbank im Kaffe- und Kuschelwinkel des ehrwürdigen Foyers.
Vielleicht kann man es auch anders sehen: Ihr lockeres Outfit ist durchaus im Trend. Ihre Sitzhaltung und Miene wirken snobbish, verwöhnt und desinteressiert. So betrachtet sitzt sie jedenfalls auf eine saloppe Weise in Halbhocke. Oder wie auf dem behaglichen Sofa vor dem Fernseher stinknormal - was liegt denn an der Haltung? So sicher kann man sich da ja nicht sein.
Zwar kommt die Studentin nicht im adretten College-Stil daher und trägt auch sonst keinen besonders edeln Zwirn. Trotzdem suggeriert das Bild keinen triftigen Grund gegen die Annahme, dass sie aus gutem Haus stamme und das Institut die Haus- und Vertrauensbank ihrer Familie sei. Was will die Inszenierung? Sie soll eine Atmosphäre des Vertrauens schaffen, soll wohl kommunizieren, dass sich die junge Kundin in der heimischen Bank wie zuhause fühlen darf. Es liegt nahe zu vermuten, dass die Bank profitabel das Vermögen ihrer Eltern verwaltet. Sie teilt wohl ihre Pläne und Sorgen mit professioneller Diskretion. Auch die um die Zukunft ihrer Kinder.
So einfühlsam finanziell abgepolsterte Zuwendung, wie sie das Töchterchen in Verhältnissen erfährt, welche man mit Blick auf globale Fluktuationen als situiert bezeichnen darf, erläutert der zitierte Aphorismus anschaulich genug. Die Bank spielt mit ihm und dem Bild so diskret wie treffend auf ihre nicht ganz interesselose Rolle als Beraterin an, welche sie unbedingt als „private“ sprich „praivit“ versteht. Gegenüber der Teenagerin spielt sie die freundschaftlich-mütterliche Rolle. Finanzberatung ist in ihrem Fall als Lebenshilfe angesagt, weil sie - der Schluss sei gestattet - im Frühling mit dem Hochschulstudium einen neuen Lebensabschnitt antritt. Die Werbefirma inszeniert den Auftrag im Bild dieser Kampagne gekonnt.
Die Bank ist sich ihrer Verantwortung bewusst. Seriöse persönliche Beratung ist umso dringlicher, als die Turbulenzen im globalen Verkehrsfluss der Werte selbst die als unverrückbar geltenden Konstanten der Finanzwelt erfasst haben und inzwischen viel Vertrauen zerbrach.
Not so fun time – die Zeiten sind nicht so lustvoll
Die aktuelle Krise ist nachhaltig. Als Kreaturen der Modewerbung sind die körnig fotografierten Outcasts, die melancholischen oder zornigen Rebellen der Suburbs zwar nicht erst eine Erfindung der Krise, aber ein cleverer Griff (manche würden sagen: ein attraktiver Bluff) zur Vermarktung des Label-Glams in ihren munteren Wellenhochs. In der Mode dieses Herbsts ist übrigens der Retro-Glam des Krisenjahrzehnts von 1930 top.
Welche Rolle spielt aber, gerade im Blickfang der Bankwerbung, die hübsche blasse, etwas verkrampft wirkende Tristesse?
Wir beamen die Szene aus der Kuschelecke des Bank-Foyers in ein besseres Zürcher Appartement und verwandeln die Bankberaterin in die Mutter. Das geht ohne Retuschen locker vonstatten. Beim Umzug ist nicht einmal die uniformblaue Bluse zu tauschen! Einzig der blaue Rahmen des Pfeilsignets um die Polsterkante ist zu löschen. Die Tochter - diese Rolle spielt sie nun ohne dass sich ihrer Erscheinung um eine Nuance verändert - ist im Wohnzimmer in einen intimen Dialog mit der Mama vertieft. Wir hören mit und finden heraus, was unentfaltet in ihr steckt:
Der kollegiale Mutterblick scheint ein Geständnis zu erwarten, während Haltung und Ausdruck der Tochter den Zwiespalt zwischen Abwehr und Bedürfnis nach Rat signalisieren.
Mutter (M): Marc organisiert also diese Demo. Und die wochenlangen Sit-ins vor der UBS. Und du machst da mit?
Tochter (T): Klar. Ich schwänze dafür keine einzige Unterrichtsstunde. Unsere Ablösung ist gut organisiert.
M: Aber abends bist du auf dem Paradeplatz. Auch etwa nachts und an den Wochenenden? Kannst du dir das leisten?
T: Mein Schnitt ist nicht so toll. Aber die Sache ist wichtig. Jetzt! Ausserdem hilft mir Marc jede freie Minute.
M: Und wie du dann schläfst? Bist du dir im Klaren, worauf du dich einlässt? Doch nicht etwa weil Marc die Sache so wichtig ist. Juste maintenant, Jaqueline! Jetzt kommt die Maturarbeit. Im Frühling die Prüfung. Willst du die Schule schmeissen? Deine Karriere aufs Spiel setzen?
T: Mama, du willst ja nur das Beste für mich und - dass ich das erkenne. Tu ich ja! Doch - schliesslich muss ich selber herausfinden was ich will. Das muss ich doch lernen: Präferenzen setzen, dem Druck gewachsen sein. Und - mich entscheiden, wenn ich mehr als bloss verknallt bin.
M: Liebst du Marc?
T: Ja.
M: Er ist dein Lover. Vielleicht überforderst du dich. Aus Liebe.
T: Mama, kannst du wollen, dass ich mich schuldig fühle? Ist es „das Beste“, das du für mich willst?
M: Das verstehe ich nicht. Von Schuldgefühlen ist doch nicht die Rede. Es geht um die Sache. Um deine Zukunft.
T: Wenn ich hingehe, an die Demos, wenn ich die Sit-ins durchhalten will, ob aus Überzeugung oder weil ich Marc liebe, auch darum liebe, weil er etwas tut - beides gilt, ich schwör’s! - muss ich mich dann schuldig fühlen?
M: Wieso?
T: Wenn ich deine Vernunftgründe ausschlage, meine Karriere aufs Spiel setze, wie du sagst, dann verrate ich meine Liebe zu dir, deine Sorge um mich!
M: Hast du das gemeint, gestern Abend, mit dem komischen Satz von Liebe und Schuld?
T: Nein, ich habe ihn immer allgemein verstanden. Bezogen auf die Überschuldung und die Verantwortung der Grossbanken.
M: Was hat denn das Geld mit der Liebe zu tun?
T: Weißt du, der Satz sagt ja etwas aus über das System. Aber jetzt spüre ich deutlich, dass er das Ganze meint, also unsere Beziehung einschliesst - dich und mich. Auch Papa.
M: Wie? Erklär mir das!
T: Ihr wollt, dass ich nach der Matur studiere. Papa meint, Jus sei das Beste für mich. Du kannst dir auch Kunstgeschichte denken.
M: Ja, das kann ich, weil ich spüre, dass du mehr Sinn für das Schöne als für Ordnung hast.
T: Für mein Studium wollt ihr mir ein Konto einrichten, über das ich frei verfügen kann. Und ihr schlagt vor, dass ich mich bei der Bank zur Beratung der Studienfinanzierung anmelde.
M: Das ist nur grosszügig. Kannst du das nicht wollen?
T: Doch, aber ihr beide wollt, dass ich klassenbewusst einsteige, dass ich meine Vorteile wahrnehme und die Bildungskarriere mache. Dass ich statusgemäss verdiene und mich folgerichtig für den Komfort und die Sicherheit, welche der gesellschaftliche Nimbus mir aufdrängt, verschulde. Das ist die bisher anerkannte Konsequenz. Die Normaltät. Schulden halten die Wirtschaft im Fluss. Verstehst du?
M: Das ist doch verrückt. Du hast doch deinen freien Willen. Du entscheidest über den Standart, den du brauchst!
T: Genau. So ist es eben. Ich steige freiwillig ein. Aber eure Zuwendung verwandelt sich in Schuld. Sie sichert mir den beruflichen Status, der mich dem System verpflichtet. Graeber beschreibt, wie Gefühle sich in unpersönliche Zahlen verkehren, wie Zahlen Gewinn und Wachstum generieren und zugleich persönliche Verantwortung austilgen. Wie Geld Menschen in kalkulierte Abhängigkeit versetzt und am Ende entmündigt. Weil das, was daraus wird, unserer Kontrolle entwächst und die Grundlagen menschlicher Verhältnisse zerstört.
M: Der amerikanische Guru. Ich habe seinen Satz vergessen, weil er abstrus ist!
T: Das Resultat ist abstrus. Es ist die Krise. Graebers Satz erfasst ihren Kern: „Dieses System kann nur funktionieren, indem es ständig Liebe in Schulden verwandelt.“
M: Dann funktioniert es ja eben nicht. Das hängt doch nicht vom System, sondern von uns ab. Wie wir mit unseren Gefühlen umgehen. Und was wir mit dem Geld machen.
T. Du meinst, das lasse sich so sauber trennen. Das ist vielleicht eine Täuschung. Das System ist übermächtig. Geld macht darin uns verfügbar, nicht umgekehrt.
M: Noch einmal deutlich: Es kommt doch darauf an, was wir mit dem Geld machen! Du, ich. Das ist Sache der Überzeugung.
T: Weißt du, das sagen die Top-Manager, wenn sie auf ihre Millionen-Einkommen angesprochen werden. Das Kapital leiht ihnen die Freiheit, zu realisieren was sie wollen. Kapital ist Macht. Und es nimmt von selbst zu. Denn es bläst sich auf. Das ist seine Eigenschaft in der Welt der komplexen Konstrukte.
M: Auf d i c h kommt es an, nicht? Auf jeden Einzelnen. Ob er mit dem Geld verantwortlich umgeht. Und auf die Institutionen, welche sich um das Gleichgewicht kümmern. Du hast doch in der Betriebswirtschaftstheorie gelernt, was „Bilanz“ bedeutet!
T: Ja. I c h bekomme leicht Kredit. Schon mit eurer Referenz. Doch jene, welche in die Schuldenfalle geraten sind, es sind viele, ihre Zahl nimmt zu. Wofür tragen s i e Verantwortung, wenn sie ihre Schuld abzahlen - und das ewig, weil sich auch die Schuld vermehrt? Und womit zahlen sie, wenn sie nichts mehr haben?
M: Jaqueline, Kredit hält die Wirtschaft in Gang und das kommt allen zugut, denn es schafft Arbeit und Wohlstand. Und wiederum Vertrauen - die Voraussetzung des Geschäfts.
T: Das ist doch die Binsenwahrheit, Mama. Sag mir, wie viel Freiheit bleibt für jene übrig, die nie, gar nie eine Chance haben, Kredit zu kriegen? Die Kreditunwürdigen! Wie wohnen die? Wer löst ihre Fussfessel und das Versprechen ein, das für sie noch nicht einmal ausgesprochen wurde?
M: Wie stellst du dir eine Gesellschaft vor, in welcher jedem jede beliebige Freiheit zusteht?
T: Ich denke nach. Nicht beliebig! Als eine Demokratie, überschaubar und auf der Basis des vernünftigen Konsenses. Wir versuchen diese im Camp zu praktizieren. Ich weiss noch nicht, wie ich mich entscheiden werde, Mama. Gerade deshalb muss ich aber da hin. Ich muss die Herausforderung bestehen. Wir sind das Versprechen. Es geht um Gerechtigkeit. Und um die Wahrheit, für die es sich einzustehen lohnt … Doch eines ist für mich sicher: Wenn die Ordnungskräfte (ich sage nicht: die Bullen!) mit Gewalt vorgehen; wenn sie uns mit Pfefferspray blenden, dann stärkt das unsere Überzeugung, dass etwas falsch ist. Dann ist das Recht auf unserer Seite.
Complex structures?
Investment-Werbung 2006
Nespresso, what else? - What else?
Why did they not create controls so that money couldn't just be created with reckless abandon by those in power ... They've created overarching institutions like the IMF, to protect creditors. (David Graeber, Interview ZNet)
Dienstag, 15. November 2011
LIFESTYLES LAUFSTEG
„Vom Jahr 2009 wird mir das Gefühl bleiben, dass der modische Zwang zur Erneuerung wie nie zuvor in einen Leerlauf geraten war.“ (Stéphane Bonvin, im hypothetischen Rückblick vom Jahr 2039)
Man konnte aus der Haut fahren. Die Preise galoppierten. Oder sie trabten wiehernd als BUDGET-Tölter und DISCOUNT-Ponys vorüber. Es war wie im Zirkus. Es konnte ja sein, dass sein Budget schrumpfte. Doch die Preise kümmerten sich nicht darum. Selbst wenn sie der Teuerung trotzten, legten sie zu. Moderat waren sie selten, gierig von Natur. Vielleicht mussten sie zulegen, damit sie die kommende Rezession überstanden.
Und er? Musste er nicht leben, damit er das Leben überstand? Die Preise aller Dienstleistungen, Lebensmittel, Zinsen, Prämien, Wärme - die Preise rannten davon. Man lebte am Tag. Er sah eines Tages nicht mehr ein, weshalb er sich für die textile Nacht-Ausstattung so tief an seinem Ersparten vergreifen sollte. Den Entschluss ohne zu schlafen brauchte er sich nicht abzuringen.
Er schlief also nackt. Aber schlecht, weil von dem Tag an die wilde Sequenz der Laufstegträume in sein Nachtleben eindrang. Sein virtuelles Leben als Nacktmahr begann.
Immerhin verfolgten ihn die CUMULI nicht mehr in seinen Träumen. Schäfchen zählen war ja der Luller. Aber Punkte zählen, Vorteile ausrechnen für ZAHNPFLEGESORTIMENTE, RÜCKENPROTEKTOREN, LICHTSCHLÄUCHE, ALLEWETTERSTATIONEN, LAURAS STAR-PREMIUM BÜGELSYSTEM wurde zum Game. Seine Sucht wuchs sich zur Wachtortur aus. Und wenn das blauäugige Sparschwein ihm die SUPERPUNKTE auf das VORSORGEKONTO BEI DER SUPERMARKTBANK in die Ohren grunzte, war er am Morgen sterbenskrank.
Diesem Alptraum hatte er den Garaus gemacht. In einem heilsamen Wutanfall über die Profitpunkteschinderei hatte er am selben Tag über sämtliche Kundendienste der SHOPPINGCENTER seine sämtlichen Kundenkarten gekündigt. Auch die SPAM-Verführung war er los. Der potente Spamfilter schützte ihn endgültig gegen Werbung für dufte SCHLAFANZÜGE und KLASSE-UNTERWÄSCHE.
Seine neue Traum-Show war zum Glück kitzlig, abenteuerlich, raffiniert. Die Nacktlaufstege verrannten sich zwar rasant zu Corridamusik im Wirrsal der Korridore, Etagen und Rolltreppen eines GIGA-SPREITENBACH. Doch er nahm die Schweissausbrüche billig in Kauf. Denn er erlebte vor seinen nächtlichen Auftritten die Wonnen einer Geschlechtsumwandlung und groundete am Ende der wahnwitzigen SHOPPING-Achterbahn planmässig in einer LOUIS VUITTON MEGA-Kristallhöhle. Dort wurde er von zwei violetten Perlmuttglanzlack-Fingernägeln geBOSStitcht und erfuhr, während ihre Spitzen in seinen Leib eindrangen, zwischen verspielten LOLA-DUFTSETS lustvoll WAS WIRKLICH ZÄHLT IM LEBEN: die Liebe. Und das schon acht Wochen vor Weihnachten!
Die Liebe verband sich im gruftig riechenden FINE FOOD RESSORT sinnig mit kulinarischer Exotik. Die Rabattangebote für EYE OF REINDEER mit BROMBEER-HOLLANDAISE, den herrlichen BLUE STILTON WITH PORTWINE und den CAKE TRUFFÉ GRAND CRU mit s e i n e m ONLY TRUE SINGLE MALT liessen die Gaumenvorfreuden auf ein virtuelles Weihnachtsmenu in der Tundra oder in gälischen Highlands aufleben.
Wenn er erwachte, streichelte bisweilen ein nomadischer Wind sein Gesicht. Ein silberner Ballon von beinahe durchsichtigem Glanz schwebte über dem Land. Darauf stand: WIR BAUEN – FÜR SIE! Für uns taten sie alles, dachte er. Alles taten sie nur für uns. Der Erlös ihres schrankenlosen Altruismus würde - als die Erfüllung ihres Heilsversprechens - vervielfacht auf uns zurückfliessen. Für sie allerdings war solche Empathie nichts weiter als die systemimmanente Nächstenliebe. Sie waren in jeder Hinsicht pragmatisch.
Der Tag seiner Besinnung war blau wie ein leerer Bildschirm. Sie hatten ihm die FERNBEDIENUNG geschenkt, den BOULEVARD, die LIFESTYLESPOTS, die NATUR- UND ABENTEUERFILME, die MYSTERYSERIEN, DIE SIMPSONS, die NACHTPORTALE, CLUBS, TALKSHOWS, KUNSTREVUEN. Im Programm und auf dem Glanzpapier ihrer Magazine. Die ganze virtuelle Schöpfung.
Spätnachts setzte er den GHOST RIDER auf Standby und die Nase an den Flaschenmund seines letzten TALISKER. Er roch daran, als ob er geahnt hätte, dass er ihn letzte Weihnachten leer getrunken hatte. Unter seine schmuddelig gewordene YVES DELORME LIFESTYLE-Laken kroch mit ihm zusammen die Armut und er musste sich allmählich eingestehen, dass ihm die zweite Haut fehlte.
Als der Winter kam, er kam wirklich und nicht mit Silberfäden und Colliers behängt, reifte sein Entschluss, die erste so teuer wie möglich zu verkaufen. Sie schien ihm besonders modisch: schmal, lang und dünn.
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NIGHTMARE oder LIFESTYLES CATWALK |
Freitag, 21. Oktober 2011
In aller Welt zuhause und „fremd im eigenen Land“?
„Damit wir uns nicht fremd im eigenen Land fühlen müssen“ - ein Argument zur Initiative „Masseneinwanderung stoppen“ in der SVP- Wahlpropaganda
Ist das Boot wirklich voll?

Wohin treibt es uns?
Am Feierabend vor dem langen Wochenende oder beim Anbruch der grossen Ferien starten wir durch. Werfen uns in den Alpenstau, quetschen uns durch’s Check-in-Gewühl. Erobern im Stossangriff unseren reservierten Secondhand-Luxus in „Allerwelt“. Wir tauchen ein in den turbulenten Kultur-Kosmos New Yorks, Londons, Istanbuls; lassen uns von der Exotik Indonesiens, der Antillen, der Costas und Rivieras charmieren. Wir schütteln unsere Verspannungen ab und bewegen uns in aufgelösten Schwärmen locker und selbstverständlich durch „unsere“ Feriendomänen in Ländern fremder Kultur. Als „Kolonisten“ einer gigantischen Touristik-Industrie haben wir uns abgewöhnt, vor den Fremden zu fremden. Wir importieren als zahlende Fremde Devisen.
Als sonnengebräunte Heimkehrer erleben wir manchmal einen leichten Schock vor der ureigenen Normalität zuhause. Doch der geht vorüber, denn bald schleicht sich ein anderes, ein altes Unbehagen wieder ein. Denn zuhause, im eigenen Land, sind auch Fremde. Die zahlreichen Gesichter, die nicht zu uns gehören, lösen das andere Fremdgefühl in uns aus. Und die schwarzen Trampelsohlen auf dem roten Teppich mit dem Schweizerkreuz, welche herdenmässig ins Heimische eindringen, bestärken das alte Unbehagen. Das unwiderstehliche Gefühl schafft sich Raum, es sei nötig, unseren Überfremdungsschock politisch zu therapieren. „Stopp“ zu sagen, ein Neinmehr zu artikulieren, gegen die „Masseneinwanderung“, gegen erdrückende Überfremdung.
Zuhause geht der weltempfängliche Schweizer auf Distanz. Schon mehrheitlich? Ist das nicht ein Schweizer Paradox?
Die Schweiz gilt als weltoffene Nation. Sie begriff ihre Chance und pflegt dieses Image. Tourismus Schweiz profitiert davon. Die Schweizer Industrie ist innovativ, exportiert in alle Welt und hält personell weltweit vertreten die Flagge hoch. In EU-Ländern, den USA, China, asiatischen Tigerstaaten. Der Austausch von Waren, Information und Devisen ist hoch im Kurs. Doch zuhause wächst Argwohn. Der Schweizer fremdet. Handelt es sich beim Menschenaustausch um Erwerbspersonen, sind Fremde bei uns nicht mehr so populär. Wir legen ihnen keinen roten Teppich aus. VIP’s der Teppichetagen ausgenommen. Selbstverständlich auch Steuermillionäre! Arbeitsuchende sind dagegen Konkurrenten. Und Asylsuchende, die kleine Minderheit unter den Fremden, sind suspekt. Mehr und mehr. Sozialhilfeempfänger unter Fremden sowie Sanspapiers gelten sogar ohne Hinsehen bald schnell als Profiteure und Kriminelle.
Selbst in seinem vertrauten „Allerwelt“, als Massen- und Exklusivtourist, hat sich der Schweizer - pardon, nicht nur er - gerne in Holyday-Villes, in Clubs, in Spa-Wellness- und Fünfstern-Ghettos gegen die zunehmend problembelastete soziale Wirklichkeit der Fremdländer abgegrenzt. Neuerdings pflegen Zahlungskräftige den Standard, auf Mega-Passagierfähren mit dem Luxus-Angebot von Grossstädten in einer sindbadschen Fantasiewelt herumzukreuzen. Ganz unter ihresgleichen. Wir fliegen im Pauschalarrangement pazifische oder afrikanische Ferienparadiese an, mit Traumstränden, Süsswasser-Swimmingpools, Einkaufspassagen mit Beautysalons, klimatisierten Hotelzimmern mit Luxusausstattung. Und machen uns dabei kaum bewusst, dass unter den Lebenden ausserhalb „unserer“ Paradiese die Wenigsten privilegiert sind, in ein privilegiertes Land wie die Schweiz zu reisen. Nicht allein aus materiellen, viel mehr aus politischen Gründen. Zu reisen nicht als Asylanten, sondern als freie Menschen. So wie wir.
Haben wir, die wir in der Schweiz gegenüber Fremden fremden, zu wenig daran gearbeitet, uns selber ab und zu fremd vorzukommen? Nicht nur zuhause, sondern auch im Ausland? Haben wir Heimwehschweizer uns nicht darin geübt, dieses Fremdgefühl auch in der Heimat einmal zuzulassen, statt gleich „s’isch gnueg!“ zu rufen? Und vielleicht sogar ein paar fällige Fragen an unser politisches Gewissen zu stellen? Möglicherweise haben wir, denen es über Jahrzehnte so selbstverständlich gut ging, versäumt zu verstehen, dass die Ursachen des Phänomens, das wir als „Überfremdung“ erleben, globaler Natur sind. Dass die wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Welt - auf ihre Ursachen und Auswirkungen hin betrachtet - auch unsere sind. Dass sich ihre Ursachen nicht so einfach in der Einwanderung festmachen, in den Ausländern personifizieren lassen. Dass wir unsere Probleme nicht pauschal der Personenfreizügigkeit oder einer „largen“ Asylpolitik anlasten können, sondern auch selber für sie grad stehen müssen.
Es gibt keine Krähwinkel-Lösungen aller Probleme durch abwehrhaften Rückzug auf uns selbst, durch rigide Einwanderungskontrolle, durch Kontingentierung und Punktekriterien bei der Zulassung arbeitsuchender Ausländer, durch drastische Verschärfung des Asylrechts und ausserdem die wieder anvisierte Abkoppelung der Entwicklungsländer von der Entwicklungs-Zusammenarbeit, welche man durch den Hinweis auf „verschleuderte“ Steuergelder gern ungerechtfertigt dem Verruf preisgibt. Der Rückzug durch Massnahmen einer prinzipiell-isolationistischen Politik ist nicht bloss selbstgerecht, sondern auf die Länge auch kurzsichtig, denn sie versperrt sich der Teilnahme an Lösungen, der Mitverantwortung und damit der Zukunft!
Im Stil der SVP-Propaganda für ihre Initiative „gegen Masseneinwanderung“ schlägt eine Krähwinkel-Haltung durch, denn sie appelliert allzu einseitig und mit wahlstrategischem Kalkül an unterschwellige Ängste und den Gruppen-Eigennutz der Wähler. Die Zusammenhänge lassen sich nicht mit emotional aufgeladenen Argumenten verständlich machen. Sie sind komplex. Und genauso lassen sich die Probleme nicht kurzfristig mit Schneidbrenner-Methoden bewältigen. Sie fordern uns einen Aufwand ab, sind nur auf längere Sicht, durch liberale Lösungsschritte, zu regulieren. Möglichkeiten und Bedeutung einer Politik des belebenden Austauschs und der institutionellen partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Nationen und Kulturen bleiben in der simplifizierenden Initiativ-Propaganda ausgeblendet.
Heim - wo in der Welt?
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